ERNST im Interview mit Gikk:

ERNST sprechen mit GIKK über ihre Reise von Wien nach Brighton zum The Great Escape Festival, ihren dortigen Auftritt, ihre neue Single „Don’t Buy It“ und vieles mehr!

Foto: (c) Alexander Galler

Für die Band ERNST stehen aktuelle einige spannende Dinge an: Erst Mitte Mai reisten ERNST für ihren Auftritt am The Great Escape Festival nach Brighton. Außerdem veröffentlichten ERNST am selben Wochenende ihre aktuelle Single „Don’t Buy It“ gemeinsam mit neuem Label. Für Gikk erzählen sie, wie der Song von einem Baumhaus in Niederösterreich nach Brighton gekommen ist & was ihnen der Song bedeutet und nehmen Gikk dafür mit auf ihre ganz persönliche Reise von Wien nach Brighton:

Interview:

Gikk: Ihr schreibt in eurer Biografie, dass ihr euch durch eine zufällige Begegnung im Stiegenhaus kennengelernt habt. Wie kam es zur Gründung der Band Ernst und wie blickt ihr auf eure Anfänge als Band zurück?

Nicki: Dan, Ralf und ich sind seit langer Zeit befreundet und wir schreiben seit gefühlt immer gemeinsam Musik. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass wir unsere Musik auf ein nächstes Level bringen wollten. Das klingt jetzt ein bisschen kitschig, aber eines heißen Sommerabends haben wir drei dann in unserer Wohnung geprobt (und vor allem: geschwitzt). Auf einmal haben wir durch das offene Fenster eine andere Gruppe an Menschen jammen gehört. Wir haben aus dem Fenster applaudiert und ihnen auch ein Lied gespielt – dann haben die Leute durch den Hof gerufen, dass wir doch runterkommen sollen. Und bei diesem schönen Jam haben wir unseren Nachbar Elias kennengelernt, der, wie sich herausgestellt hat, ein musikalisches Multitalent ist und Lust hatte, mit uns zu spielen!

Elias hat uns auch zu unserem Drummer Philipp geführt. Das war mitten in der Pandemie, und fühlt sich deshalb ein bisschen verschwommen an. Aber wir haben diese seltsame Zeit gut genutzt, um viel zu schreiben und regelmäßig in Wien aufzutreten. Seither haben wir viel ausprobiert und unseren eigenen Sound entwickelt.

Gikk: Nun habt ihr ja Bandmitglieder, sowohl aus Österreich als auch aus Großbritannien. Würdet ihr sagen, beeinflusst diese bandinterne Internationalität euer gemeinsames Dasein als Band und auch euren Songwriting-Prozess?

Nicki: Diesen Einfluss gibt es auf jeden Fall. Dan ist aus Bournemouth (UK) und kam auf ein Erasmus-Jahr nach Wien. Zu zweit haben wir dann vier Jahre in London gelebt, sind aber wieder in unsere Wahlheimat Wien zurückgezogen. Seit wir Musik machen, schreiben wir auf Deutsch und auf Englisch. Das wäre gar nicht wegzudenken, weil beides Teil unserer Identitäten ist. Ich liebe die englische Sprache. Sie verkörpert für mich pure Poesie und lässt sich manchmal leichter bändigen als Deutsch. Allerdings habe ich heuer wieder begonnen, Lyrics auf Deutsch zu schreiben und mich neu in den Klang und die Emotionalität verliebt, die diese Sprache bietet. Jeder Text, den ich schreibe, will aber in einer bestimmten Sprache “geboren” werden – da habe ich gar keine andere Wahl, das fließt so aus mir raus.

Was die Genres betrifft, spielt die Internationalität auch sicher eine Rolle. Dan war in seiner Jugend ja doch anderer Musik ausgesetzt, als wir vier in Österreich. Elias hat lustigerweise vor kurzem ein Diagramm gezeichnet, um darzustellen, wo unsere musikalischen Einflüsse sind – das war ziemlich amüsant. Der ERNST-Sound, der sich in den letzten zweieinhalb Jahren geformt hat, ist ein “dreamy & dirty Indie-Rock”, eine Fusion aus Grunge, Punk, Indie-Pop und New Wave.

Gikk: Ihr habt euren Lebensmittelpunkt aktuell in Wien. Nun seid ihr als Band gerade aber wieder auf dem Weg nach Brighton, um dort auf dem internationalen „The Great Escape Festival“ zu spielen. Was bedeutet es für euch als Band gemeinsam in Brighton auf dem Great Escape Festival aufzutreten? Wie aufgeregt seid ihr?

Nicki: Wir sind sehr dankbar, dass sich so eine Möglichkeit aufgetan hat. Über Englands pulsierende Musikszene muss ich euch ja keinen Vortrag halten. Beim Great Escape sind alle Clubs gefüllt, jedes noch so kleine Pub baut eine Bühne auf – es ist einfach großartig. Brighton ist überhaupt ein besonderer Ort, an den ich immer gerne zurückkehre. Mit seiner Offenheit und Toleranz, vor allem gegenüber der LGBTQIA+ Community, ist Brighton kaum vergleichbar mit anderen Städten. Insofern sind wir super gespannt auf unsere Zeit in England und hoffen, dass wir auch einige andere feine Bands entdecken werden!

Foto: (c) Alexander Galler

Gikk: Erzählt uns mehr zur Entstehung eures neuen Songs „Don’t Buy It“! 

Nicki: Die Melodie von ‘Don’t Buy It’ ist letztes Jahr in einem Baumhaus in Niederösterreich entstanden, in dem sich Dan ein paar Tage einquartiert hat, um Songs zu schreiben. Er hat sie mir danach vorgespielt – damals noch mit einer (sehr) experimentellen Panflöte im Hintergrund. Nachdem wir zwar eine Melodica, aber keine Panflöte im ERNST-Repertoire haben, ist die recht schnell gekickt worden. Die Texte sind dann innerhalb von zwei Stunden entstanden, weil die Melodie so inspirierend war. 

Beim gemeinsamen Bandurlaub auf einer steirischen Berghütte haben wir dann alle vereint an dem Song gearbeitet. Aus einem sehr gitarrenlastigen Sound wurde ein synth-getriebener Song. Unser Produzent Mario Fartacek hat dann noch einmal tiefer gegraben und das Beste aus dem Song rausgeholt. Wir sind auch sehr happy, dass es sogar Ralfs heißgeliebte amerikanische Lapsteel-Gitarre hinein geschafft hat.

Gikk: Wie würdet ihr den Sound von „Don’t Buy It“ beschreiben und welche Emotionen wollt ihr mit dem Song transportieren? Könnt ihr uns auch etwas über den Entstehungsprozess des Musikvideos zu „Don’t Buy It“ erzählen und welche Botschaft möchtet ihr durch die visuelle Darstellung vermitteln?

Nicki: Der Dreh des Musikvideos war ein Heidenspaß – wir haben das erste Mal mit einem professionellen Filmstudio (Matak Studios) gearbeitet – und es hat einfach geklickt zwischen uns und dem Team. Deshalb sind wir auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Als wir für den Dreh auf dem Dach unseres Tourbusses auf dem Wiener Kahlenberg performt haben, haben uns Heurigen-Besucher:innen zugeschaut. Das war richtig witzig und hat sich fast wie ein Gig für uns angefühlt!

Die Schaufensterpuppen im Video sind ein klassisches Motiv für die Starrheit, in der sich viele von uns befinden. Ein Symbol für das Nicht-Ausbrechen-Können aus einem gesellschaftlichen System, das Hyper-Individualität, Konformität und Selbsthass fördert. Lange Zeit war ich selbst so eine Puppe. Im Video bin zwar ich es, die die Puppen erweckt und zu einer neuen Lebenslust hinführt, aber da ist definitiv ein bisschen Traumaverarbeitung mit dabei. Ich wünschte, jemand hätte diesen Song damals für mich geschrieben und mir gesagt, dass ich so sein darf, wie ich das schon als Kind gefühlt habe. Dass ich queer sein darf, in meiner Lebensart, meinem Genderausdruck, meiner Sexualität. 

Mit ‘Don’t Buy It’ ist also nicht nur unsere ablehnende Haltung gegenüber der Konsum- und Leistungsgesellschaft gemeint, die uns und unseren Planeten kaputt macht. Der Song steht auch für eine Bejahung des Selbstausdrucks und einer alternativen Lebensweise. Wir finden es schön, “Misfits” zu sein, also nicht in eine anachronistische und patriarchale Form passen zu müssen. Wir wollen Verbündete all jener Menschen sein, die das auch fühlen oder fühlen wollen.

Gikk: Welche anderen Künstler:innen oder Bands inspirieren euch derzeit und wie spiegelt sich das in eurer Musik, insbesondere in „Don’t Buy It“, wider?

Nicki: Das ist mit Abstand die schwierigste Frage, weil es so viele sind! Von den modernen Bands wohl Wolf Alice, boygenius,Francis of Delirium und Mitski. Für Dan und mich war die Entdeckung der britischen Band The Last Dinner Party ein wichtiger Moment. Von Arrangements über Vocals, Hooks bis hin zur Energie ist einfach alles stimmig; und ich stehe ja, seit ich David Bowie, Kate Bush und Amanda Palmer lieben gelernt habe, auf extravagante Outfits und einen als vielleicht bizarr empfundenen, aber authentisch gemeinten Ausdruck auf der Bühne.

Für mich wäre es unmöglich, einen Song zu schreiben, der keinen hohen Anspruch an seine Texte stellt. Hier hatten Künstler:innen wie Sylvia Plath, Virginia Woolf, Joni Mitchell, Patti Smith, Nick Cave, Ian Curtis und Sinéad O’Connor einfach enormen Einfluss auf mich. Ich glaube aber, dass sich unsere Musik nicht ganz so leicht festnageln lässt, weil eben so viel Unterschiedliches und immer auch ganz neue Musik mit einfließt. Aber das finden wir auch wichtig und schön und das muss sich auch immer weiterentwickeln dürfen.

Gikk: Könnt ihr uns etwas über die kreative Zusammenarbeit hinter den Kulissen bei der Produktion von „Don’t Buy It“ erzählen. Ihr seid ja nun auch bei einem neuen Label und habt in den nächsten Monaten einiges vor. Könnt ihr uns schon verraten, welche Projekte für euch als Band als nächstes anstehen?

Nicki: Unser Label Raspberry Soda hat einiges mit uns vor und darauf sind wir sehr gespannt! Wir freuen uns alle schon sehr auf die Fertigstellung unseres Albums, das nächstes Jahr erscheinen soll. Bis dahin müssen wir euch mit den Singles vertrösten, die im Herbst folgen werden. Aber unsere Songs kann man auch bei den nächsten Gigs schon hören, zum Beispiel am Kunstmue Festival in Bad Goisern am 27. Juli. Alle, die noch mehr von uns hören und sehen wollen, können aber gerne unseren Newsletter abonnieren, dort gibt es immer wieder Demos und sonstigen lustigen Content – wir heißen zwar ERNST, den Spaß lassen wir uns aber nicht nehmen.

Gikk: Danke für das Gespräch!

Die Möglichkeit ERNST das nächste Mal in Wien live zu sehen gibt es übrigens am 4. Juli. Da werden ERNST gemeinsam mit der slowenischen Band LELEE im Rhiz bei den raspberry summer nights auftreten. Tickets gibt es hier.

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