WERCKMEISTER - KAIROS

Nach der Erscheinung ihrer EP "Großmutter Wolf" aus dem Frühjahr 2020 veröffentlicht die Wiener Band Werckmeister heute ihr Debütalbum "Kairos".


Ende 2019 gründeten Bernhard Weiss, Florian Hümmer, David Howald und Jonas Aarondie die Band Werckmeister. Seitdem arbeiten die vier Musiker an einem organischen Bandsound - dabei finden sie sich irgendwo zwischen Proto-Goth-Ästhetik und Popsong wieder. Stimmlich aber auch textlich durchläuft Sänger David Howald eine Bandbreite, die von Ekstase bis stiller Versenkung reicht. Musikalisch geht bei Werckmeister die Schere von melodiösen und sanften Songs bis hin zu Gitarrenwänden und energetischem Sprechgesang weit auseinander. Die Wiener Band markiert so auf ihrem Debüt in Sachen Dynamik ihren eigenen, extremen Standpunkt. Dabei spielen Einflüsse aus bildender Kunst, Performance und Theater eine ebenso wichtige Rolle, wie etwa die eigenen großen musikalischen Held:innen.


Im Frühjahr 2020 veröffentlichten Werckmeister ihre Debüt-EP "Großmutter Wolf". 2022 folgt nun ihr Debütalbum "Kairos" beim Wiener Label Werk Music - für dieses arbeitete die Band mit dem Österreichischen Produzenten David Furrer zusammen. Dieser arbeitete bereits mit großen Österreichischen Bands wie Mother's Cake oder Die Arbeit zusammen. Für die Umsetzung der Platte wurde ein Zeitpunkt gewählt, zu dem die Songs und die Arrangements gleichermaßen reif, wie auch unfertig waren. Aufgrund seiner Referenzen im Live-Recording wurde David Furrer als Produzent gewählt, der seinerseits in den Wiener Aurora Studios zu Hause ist. Die Intention war es vor allem, die Live-Energie einzufangen und Overdubbing und Editing in Grenzen zu halten. Verfeinert wurde der ohnehin schon wunderschöne Werckmeister-Sound unter anderem durch Beiträgen von Gastmusiker:innen wie Alpine Dweller (Streicher) oder Markus W. Schneider (Gitarre/Elektronik).



Der Einsatz der Streichelemente ist ein wahres Highlight auf der neuen Platte der Wiener Band. Denn der gekonnte Einsatz der majestätischen Instrumentengruppe bietet eine musikalische Untermalung der Lieder, wie es wahrscheinlich kein anderes Instrument so passend und perfekt geschafft hätte. Der traumhaftschöne, kraftvolle und doch fragile Klang der Streicher unterstützt und ergänzt die Lieder der Wiener Band perfekt, da sie noch einmal mehr einfangen, was die Lieder von Werckmeister nun einmal sind: fragil und gleichzeitig stark und majestätisch, aber vor allem auch einfach nur wunderschön.



Das neue Album der Wiener Band startet mit dem ersten Track und schon bekommt man Gänsehaut. Mit dem ersten Song "Weltenbau" auf ihrem Debütalbum gelingt Werckmeister ein schaurig-schöner Albumopener, der einen wunderschönen und tonangebenden Einstieg in das Album darstellt und dafür sorgt, dass man als Hörer:in gleich mit dem ersten Song auf dem Album abgeholt wird. Düstere und vor sich hin oszillierende Klaviermelodien und ein bewusst subtiler Einsatz von zurückgenommenen Percussionelementen, wie auch verblasste, fast schon chorähnliche Gesangselemente im Hintergrund, sorgen für ein ganz besonderes und majestätisches Klangbild. Das zieht sich im, zum Ende des Songs auftretendem, musikalischen Aufbau fort, bis dieser dann kurz vor dem Schluss wieder abbricht, sodass nur noch eine zarte Klaviermelodie zurückbleibt, die einen wieder in totaler Stille und Fragilität zurücklässt.


Das bleibt allerdings nicht lange so, denn diese ruhige Stimmung, die in einem fast schon ein Gefühl der Geborgenheit auslöst, wird mit dem nächsten Song auf dem Album sofort wieder unterbrochen. Weiter geht es mit dem Lied "Circus Maximus", das musikalisch total in Kontrast zu seinem Vorgänger steht. Aufgeweckt, laut und schrill begeistern Werckmeister hier mit einem Song, bei dem sich auch die stimmliche Vielfalt des Frontmanns David Howald bestens hören lässt. "Bleib hier mein Kind, bleib hier", singt der Musiker - untermalt wird diese Phrase musikalisch durch schrille und fast schon aufmüpfige Gitarrenriffs, die für eine ganz besondere Dynamik sorgen und eine fast schon angespannte Stimmung erzeugen, die zwar zunächst auch leicht irritiert, aber die Kraft dessen schlussendlich dominiert und positiv überrascht und deswegen nicht länger stört.



Auf dem Debütalbum der vierköpfigen Band lassen sich die verschiedensten Lieder finden. Von der Ode an die Zerbrochenen mit dem Lied "Eloquenz des Untergangs", über den gesellschaftskritischen Rundumschlag mit „Tyrannus“ oder „Die Träufler“, bis hin zum Wiegenlied „Lilith über der Stadt“ und dem Zwiegespräch im Selbst "Mein Mörder oder "Wand der Wünsche" erstreckt sich auf dem Werckmeister-Debüt „Kairos“ ein thematisch weites Panorama. Der Blickwinkel von David Howalds Texten hält dies im Kern jedoch zusammen und verleiht der Geschichte einen roten Faden. Das Wesen seiner Texte ist das Zyklische, Fluide und Unabgeschlossene. Sie beschreiben also eben jenes Potential und jenen offenen Zustand, der sich auch im Albumtitel "Kairos" abgebildet findet.


In einem Interview mit dem Kurier (Interview) gibt der Frontmann der Band an, dass er bereits als Kind das Schreiben von Aufsätzen in der Schule liebte. Geprägt habe ihn außerdem ein Buch von Charles Baudelaire, das er sich für einem Filmwettbewerb bei dem er als Jugendlicher mitgemacht hat, geholt habe und hängengeblieben sei. Aber auch Antonin Artraud habe ihn fasziniert: "Der war während des Zweiten Weltkrieges im Irrenhaus und hat Dinge geschrieben, die man sonst nirgendwo lesen kann – schrecklich und dunkel, aber auch mit strahlend hellen Momenten. Die beiden haben mich beim Schreiben der Texte sehr inspiriert.“



Fazit: Werckmeister veröffentlichen heute mit ihrem Debütalbum "Kairos" ein Werk an Musik, das für sich spricht. Es ist ein Debütalbum, das in vielen Hinsichten einfach nur ein Traum ist. Ein Traum, weil die Lieder musikalisch so großartig sind und so viel hergeben, dass dass man bei jedem weiteren Mal wenn man sich durch das Album hört, immer wieder neue Elemente in den Liedern findet, total fasziniert davon ist und es mit dem Erstlingswerk der Wiener Band einfach nicht langweilig wird. Aber auch inhaltlich bietet "Kairos" eine tolle Bandbreite an Themen, die das nötige Potential mit sich bringen, um sich mit ihnen identifizieren zu können. Es ist ein Traum, weil es alle möglichen Emotionen abdeckt, die man sich von einem Album wünscht und die ein gutes Album braucht. Man kann sich total in die Lieder des Albums hineinfühlen und fühlt sich ihnen sofort verbunden.


Gikks Lieblingssong des Albums: Circus Maximus


Werckmeister spielen am 18. März live im Wiener Werk und geben dort ihre Album-Release-Show.









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