Album Review: "Inbetween" von Another Vision

Ausgeklügelte Synth-Melodien, minimalistische Arrangements und Designs & eine Menge an tanzbaren Ohrwürmern: Das Österreichische Synth-Duo Another Vision veröffentlicht mit "Inbetween" Anfang April ein fesselndes und audio-visuelles Prachtstück eines Debütalbums, das nichts zu wünschen übrig lässt.

Die Österreichische Band Another Vision
Foto: (c) Gabriel Hyden

Die beiden Musiker Moritz Kristmann und Michael Schmücking sind unzertrennlich und das mittlerweile schon seit vielen Jahren. Genauer gesagt seit 2015, denn seit da an machen die beiden Innsbrucker nun schon gemeinsam Musik. Gefunden haben sich Kristmann und Schmücking in Wien - ihre gemeinsame Liebe zu gitarrenlastiger Bandmusik eint sie sofort. Schnell entwickelt sich daraus eine Leidenschaft, mit digitalen und analogen Instrumenten zu experimentieren und neue Sounds zu kreieren. Die Überlagerung von digitaler und analoger Welt findet ihren vorläufigen Höhepunkt nun in ihrem Debütalbum "Inbetween".


Die beiden verbindet eine Chemie, die auch als außenstehende Person nur schwer nicht mitzubekommen ist und einfach nur mitreißt. Als Duo machen Another Vision nun schon seit vielen Jahren gemeinsam Musik und das mit einer Leidenschaft, die schlichtweg mitreißt und fasziniert. 2017 veröffentlichten Schmücking und Kristmann mit "Stranger" ihre Debüt-EP und zwei Jahre später folgte 2019 mit "Off the Leash" bereits auch schon die nächste EP. Seit 2020 arbeiteten Another Vision gemeinsam mit den beiden Österreichischen Musikern und Produzenten Mario Fartacek (Mynth, Good Wilson) und Alexander Lausch (Listen Careful Studio) an den Songs ihres Debütalbums "Inbetween", das nun endlich das Licht der Welt erblicken darf.



Die Österreichische Band Another Vision
Foto: (c) Gabriel Hyden

Ein Traum eines Debütalbums

Nun erscheint mit "Inbetween" Anfang April also endlich das lang- und vor allem bereits heißersehnte Debütalbum des Synth-Duos. Darauf nehmen sich Another Vision inhaltlich einer ganzen Bandbreite an Songinhalten an - ein immer wiederkehrendes Thema, das sich durch das komplette Album hindurchzieht, sind jedoch die Zwanziger. Diese sind „in-between“ - zwischen Erwachsen sein und spielen wollen, zwischen Feierabend Sofa und durchzechten Nächten, zwischen Herumtreiben und einen Lebensmittelpunkt finden. Und in den letzten beiden Jahren auch zwischen Pandemie und Zukunft. Mit ihrem Debütalbum "Inbetween" fangen Another Vision die rasch vorbeiziehenden Veränderungen in ihrer eigenen Soundwelt ein. Eingebettet in ihren grainy Popsound erinnert Another Vision daran, ein bisschen länger zu verweilen – für eine Nacht, ein Jahr oder ein ganzes Leben.

Die Österreichische Band Another Vision
Foto: (c) Gabriel Hyden

Musikalisch schaffen es die beiden Musiker, auf ihrem Erstlingswerk ein spannendes und vor allem auch abwechslungsreiches Kontingent an Songs zu bieten, die zusammen so extrem stimmig sind und das Album angenehm kohärent gestalten, und dennoch erweist sich zugleich jeder einzelne Song auf seine eigene Art und Weise als einzigartig und sticht heraus. Ausgeklügelte Synth-Melodien, minimalistische, aber gleichzeitig auch super spannend aufgebaute Arrangements & eine Menge an tanzbaren Ohrwürmern fesseln und bringen die Hörenden dazu, vom ersten Track an bis zur Schlussnummer dranzubleiben. Außerdem hört man sich an den Liedern auf "Inbetween" nicht satt und findet bei erneutem Hören immer wieder neue Details und Elemente, die das Verlangen, das Album immer und immer wieder zu hören, noch größer werden lassen.


Egal ob ruhige melancholische Nummern oder tanzbare Gute Laune-Songs - Another Vision bieten auf ihrem Debütalbum jede Art von Song, den man sich als Hörer:in auf einem Album wünscht und somit eine schöne Vielfalt an Liedern, die ein gutes Album auch ausmacht, beziehungsweise auch braucht, um spannend zu bleiben. So beginnt die Platte mit dem sich zunächst noch zurückhaltenden Song "Rieger", der anfangs gerade so mysteriös vor sich hinschlummert, sich über die nächsten Minuten dann aber aufbaut und schließlich völlig ausbricht und seinen Höhepunkt findet. Als der Liebessong der Platte schlechthin, entpuppt sich mit "Happier" der nächste Song auf der Trackliste. Ob es um eine Stadt, eine Person oder etwa die Lieblingsserie geht, bleibt bis zuletzt offen. In "Happier" vereint das Duo das Rockige das "Rieger" innehat, das Poppige von "Head in the Clouds" und das Liebliche von "Like Me".



Locker und leicht, aber dennoch mit einem ernsten Unterton, der immer irgendwie mitschwingt, präsentiert sich der nächste Song "Swipin" als eine der tanzbarsten Nummern auf der gesamten Platte und entführt einen durch sein spannendes Instrumental in eine fesselnde Klangwelt verschiedenster musikalischer Elemente, die einen sofort in seinen Bann reißen und so schnell nicht mehr loslassen. Mit "Swipin" nehmen Another Vision Bezug auf das digitale Zeitalter, in dem die meisten von uns täglich auf diversen Social-Media-Plattformen unterwegs sind und durch dutzende von Bildern, Videos und Information swipen, wodurch wir uns letztendlich eine ganz eigene Wahrnehmung der Realität erzeugen. Und wenngleich wir jeden Tag von einem Informationsfluss nur so erdrückt werden, schafft es die digitale Welt, einen immer wieder zurückzuholen und zu vereinnahmen.


Neben dem Liedtext, kreieren Another Vision für "Swipin" einen tollen Klangrahmen und fangen damit das Gefühl vom Verlorengehen in einer digitalen Realität auch musikalisch bestens ein. Das Vorbeiprasseln unzähliger Bilder untermalen die Musiker zum Beispiel durch ein Gitarrenarpeggio im Intro des Songs. Die Wirkung des gebrochenen Akkords, bei dem die Töne nacheinander erklingen, symbolisiert dabei ein solches Szenario. Perfekt ergänzt wird diese musikalische Interpretation des Medienkonsums durch immer wiederkehrende Elemente, wie etwa vorbeiziehende Feedbacks und dynamische Echos, die man als Synonym für die Kurzlebigkeit von Information deuten kann. So schaffen es Another Vision mit ihrer neuen Single auch eine musikalische Einbettung des Themas zu kreieren, die einem auch beim Hören das Gefühl vermittelt, das die Musiker inhaltlich mit Swipin ausdrücken wollen.



Songs wie "Heartbeat" und "Mon Amour" sorgen anschließend wieder für eine auflockernde Stimmung und obwohl sich das Hauptgitarrensample, das sich durch "Mon Amour" durchzieht, sehr untypisch für den Sound von Another Vision angefühlt hat, wurde der Song zum wilden Trip durch die Lebenswelt der jungen Musiker in einer neuen Stadt. Geprägt wird der Song von dem super coolen Drumbeat und der packenden Gitarrenmelodie, die sich durch den Song durchziehen und folglich für eine energiegeladene und gute Stimmung sorgen.


"Felt like love right from the start the fever’s taking hold / Felt like love infused my heart I found my, solid gold"



Die beiden Instrumentalstücke "seis" und "hilber" sorgen 'inbetween' für eine entschleunigende Stimmung und dienen als schöner Übergang zu den jeweiligen Folgeliedern. Mit den Songs "Juno", "Game For Anything" und "Head In The Clouds" holen Another Vision zum Ende des Albums hin dann noch einmal raus. Die beiden Musiker stellen zum Schluss noch einmal gekonnt ihr immenses Talent, Songs zu schreiben, unter Beweis und präsentieren dabei drei der besten Songs auf dem gesamten Album. So wird es auf "Inbetween" noch einmal so richtig kraftvoll und laut, bevor das Album schließlich mit der entspannt-träumerischen Nummer "Like Me" endet. Mit der Nummer "Juno" ging für Sänger Moritz Kristmann übrigens auch ein Traum eines Songs in Erfüllung - nämlich ein Track mit fast ausschließlich Synthsounds. Textlich geht es um den Moment, wenn sich ein Gedanke in den Kopf eingepflanzt hat, von dem man nicht mehr loskommt. Im Fall von Another Vision war das die Erkenntnis, dass die schöne gemeinsame Zeit in Wien irgendwann zu Ende geht.



Neben einem wahnsinnig großartigen musikalischen Werk, das Another Vision mit ihrem Debütalbum nun präsentieren, hat sich das Duo aber auch mit den visuellen Aspekten zu "Inbetween" komplett übertroffen. Vom Artwork der einzelnen Single-Cover, die alle ihre eigene "Mini-Interpretation" wenn man so will beziehungsweise Abspaltung zum eigentlichen Plattencover darstellen, bis hin zum Artwork des Albumcovers, das durch sein minimalistisches, frisches und modernes Design herraussticht. Durch seine schlichte und gleichzeitig doch so ausgeklügelte Präsentation, stellt das Albumcover eine perfekte visuelle Repräsentation der Songs, die sich auf der Platte befinden, dar. Aber auch was die Musikvideos betrifft, merkt man einfach sofort, dass sich das Duo zu jedem einzelnen von ihnen ganz viele Gedanken gemacht hat und eine Menge an Herzblut hineingesteckt wurde. Gemeinsam mit dem Österreichischen Fotografen und Filmemacher Gabriel Hyden, der übrigens auch all die beeindruckenden Pressefotos der Band geschossen hat, realisierten Another Vision diese Ideen und schufen mehrere Musikvideos zu den Songs von "Inbetween", die alle für sich stehen. Und auch mit selbstbedrucktem Merch, wie zum Beispiel Jutebeutel, Socken oder auch Postkarten, können die beiden Künstler im Rahmen der Erscheinung ihrer ersten Platte punkten.


Postkarte Another Vision
Als persönliche Einladung zur Album-Release-Show diente eine selbstgestaltete und selbstbedruckte Postkarte


Foto: (c) Gikk

Das große Gefühlskino

Dass die Veröffentlichung ihres Debütalbums ein unglaublich wichtiges Ereignis für die beiden Musiker ist, wurde vor allem auch bei ihrer Pre-Album-Release-Show einen Tag vor der Veröffentlichung von "Inbetween" in der Wiener Superbude noch einmal mehr klar. Jahrelange und harte Arbeit, die nun endlich freigelassen und mit der Öffentlichkeit geteilt werden kann - bei ihrer Release-Show spürt man sofort, dass die beiden Musiker den Moment, dass die Uhr Mitternacht schlägt und aus ihrem Album, an dem sie nun so lange gearbeitet haben, eines für die Allgemeinheit wird, kaum noch abwarten konnten. Eine Release-Show, die von großen Emotionen, einer beeindruckenden Location und vielen besonderen und persönlichen Geschichten zur Entstehung des Albums geprägt war. Dass eine Album-Release-Show für ein solch audio-visuelles Meisterwerk nicht einfach in irgendeiner Konzertlocation stattfinden kann ist klar - mit der Auswahl der Wiener Superbude haben Another Vision ihrem Album alle Ehre gemacht. Modern, elegant und atmosphärisch bildet die Location quasi eine räumliche Verwirklichung zum Album, die den Songs bestens dabei verholfen hat, ihre ästhetischen Qualitäten auch Live zum Ausdruck zu bringen.


Foto: (c) Gikk

In intimer und familiärer Stimmung, zwischen Fans, Freunden und allen, die außerdem noch an der Verwirklichung ihres ersten Albums beteiligt waren, performten Another Vision zum ersten Mal alle Songs des neuen Albums in einer ganz besonderen Liveshow. Die super intime Stimmung wurde durch das Erzählen von Geschichten zwischen den einzelnen Songs von den beiden Musikern noch einmal besonders verstärkt. Geschichten von Musikvideodrehs, Studiotagen, Aufnahmeprozessen oder Songentstehungen. Geschichten, die für den ein oder anderen Gänsehautmoment sorgten und einen wahres Highlight des Abends darstellten. Eine Geste, die an diesem Abend wunderschön war und dafür gesorgt hat, dass man als Gast das Gefühl hatte, nun auch endgültig komplett an "Inbetween" teilhaben zu dürfen. Eine Geste, bei der man aber gerade auch das Gefühl hatte, dass sie vor allem für die beiden Musiker auch noch einmal extrem wichtig war, um die letzten beiden Jahre und all die Arbeit, die sie in ihr Debütalbum gesteckt haben, noch einmal für sich Revue passieren zu lassen und für sich zu verinnerlichen, dass dieser Moment auf den sie so lange hingearbeitet und dem sie so sehnlichst entgegengefiebert haben, nun endlich da ist.



Die Österreichische Band Another Vision
Foto: (c) Gabriel Hyden

Another Vision veröffentlichen mit "Inbetween" ein hundertprozentig gelungenes Traumdebütalbum, dass sich als äußerst eindrucksvoll und vor allem extrem fesselnd erweist. Jeder Song auf dem Album ist so besonders und faszinierend für sich und schafft es locker für sich alleine zu stehend und gleichzeitig zieht sich so ein schöner roter Faden durch "Inbetween", der das Album als Ganzes so in sich stimmig macht, dass man sich nichts Schöneres vorstellen kann, als diesem ununterbrochen und stundenlang zu lauschen.



Gikks Top 3 Lieblingssongs von "Inbetween": "Swipin", "Game For Anything" & "Juno"


Links zu den Accounts von Another Vision: Spotify | InstagramYouTube



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